Kleine Freuden

Wenn einem an Tagen wie diesem nicht mehr viel erfreuen kann, dann doch wenigstens der Google-Translator:

Das Statement der ehemaligen Colletivo Autonomo Viola zum fünften Jahrestag der Auflösung.

Viele Grüße, eure Vecchio-Ultras.

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Pausenbrot

Hallo Leserschaft!

Die sehr willkommene Sommerpause neigt sich so allmählich dem Ende. War auch bitter nötig mal durchzuschnaufen nach einer Fußballsaison, die in der Art wohl und hoffentlich auch in Zukunft einmalig war. Eine ganze Saison freiwillig und fast exklusiv in die Viertklassigkeit abzusteigen, war eine Zerreissprobe, Erholungsurlaub und Reifeprozess zugleich. Vielleicht war es zeitweise hart, vielleicht auch befreiend und manchmal auch echt unspektakulär. Aber missen will diese Art von Alternativausbruch wohl niemand. Vielleicht war es einfach auch mal nötig, um sich auf sein eigentliches Wesen und seine Stärken zu besinnen. Letztlich wurde nicht nur mit Füßen sondern auch mit Farbe und Stimme abgestimmt und so trieb es viele von uns im Kompromiss in höchster Not für unsere schwarz-weiß-grünen Roten zuletzt für einige entscheidende Begegnungen zurück auf die große Bundesligabühne und zurück in die Heimat der eigenen Kurve, nicht ohne den einen oder anderen organisatorischen Kraftakt zu stemmen. Manch einem hätte die Fortsetzung des Weges auf einem idealistisch sicher einwandfreien Weg sicher besser gefallen, jedoch musste sich auch der Autor dieser Zeilen bei allem Eifer nach Konsequenz und Idealismus selbst eingestehen, dass dieser immer zwangsläufig auf Kollisionskurs mit dem Interesse am Sport und den Begebenheiten der kommerziellen Vermarktung des „eigenen Clubs“ und des Fußballs insgesamt enden wird. Ob das Glück am Ende der Fahnenstange im nonprofitablen Amateurfußball lauert oder immer noch eine klitzekleine heile Welt in überlebensfeindlichem Gefilde zu finden und zu erkämpfen ist, gehört zu den Fragen, die sich wohl jeder schon mal gestellt hat. Die Antwort darauf ist auch weiterhin unschlüssig. Die Tür zu einer kleinen Tendenz wurde jedoch umstandshalber etwas früher als „geplant“ eröffnet. So wurden letztlich schon in der ganzen letzten Rückrunde wieder konstruktive Annäherungsversuche unternommen und im April erste konkrete Pläne einer wieder auf erlebenden Zusammenarbeit mit der Clubführung geschlossen. Gerade im Hinblick auf eine neue Saison, die möglichst mit Klarheit und klaren Verhältnissen gestartet werden soll, war es vielleicht sogar besser, langfristige Planungen zu ermöglichen und den ganzen Scheiß nicht erst in zwei Monate Sommerpause zu verschieben.

So ließ sich die Sommerpause bislang recht relaxt verbringen. Ja, es ist mal wieder schön zu erleben, nichts zu erleben. Man durfte sich selbst über die Bestellung einer wieder aktivierten neuen Dauerkarte freuen, plant die ersten Auswärtsspiele, fieberte einer Pokalauslosung entgegen, verabschiedete mit einer wirklich extrem hohen Beteiligung aus allen Teilen der Fanszene das alte und dem Umbau geweihte Eilenriedestadion und fand sich wieder mit Pinsel und Farbpalette bewaffnet in der einen oder anderen Garage der Stadt wieder. Selbst auf eine kleine Renovierung der Heimkurve darf man sich freuen und sich in ein paar Wochen auf echte Stehplätzen im Oberrang wieder finden. Für einige wird es dahingehend wohl ein Dejavú geben, existierten solche doch zuletzt im Jahr 2004 bevor auch mit dem N48 die letzten echten Stehplätze dem Umbau zum Opfer fielen. Natürlich ist weiterhin nicht alles Gold, was glänzt. Viele haben immernoch mit der Entwicklung des Vereins und der anstehenden und teils schon hinter verschlossenen Türen vollzogenen Trennung des gemeinnützigen Sportvereins vom Profifußball zu knapsen. Leider vergeht auch weiterhin kein Tag ohne exklusive Wasserstandsmeldungen eines in diesem Bereich mehr als egozentrischen „Clubeigentümers“, wie man ihn wohl zukünftig nennen sollte. Daher galt es auch zuletzt weiterhin zu erlernen, sich einfach selbst genug zu sein. Überbordendes Fantum macht in dieser Hinsicht eher krank als glücklich und so rücken Kurve und Sport, so muss mancher für sich ehrlich eingestehen, in den Fokus der Relevanz und Vereinskasperei immer weiter in den Hintergrund. Was kümmert mich noch, ob der Clubkreis aus 4 oder 5 Gesellschaftern nun 7 oder 8 Millionen für einen Spieler kassiert oder 1 oder 10 Millionen Verlust macht. Ganz ehrlich. Wen interessierts? Es hängt schon längst nicht mehr das Schicksal der Gemeinschaft an dem Gelingen oder Scheitern der Clubführung. Es ist schlicht deren Asche, die aus TV-Einnahmen und meiner letzten Gabe, meinem Preis für die Dauerkarte verschleudert oder vermehrt wird. Meine Gabe aber auch nur als Beitrag dafür, um mir meinen Mikrokosmos Kurve und Fußball wiedererlangen und ausbauen zu können. Eine Investition in mein eigenes Do-It-Yourself sozusagen, meine 270 € Miete für den Ort, an dem ich bald wieder Kurve und Fußball leben darf, mit allen meinen Gleichgesinnten durchdrehen, leiden, mich identifizieren und vielleicht auch wieder feiern darf. Zu wissen, dass das es ist, was den Fußball zu einem nicht zu unterschätzenden Anteil (er-)lebenswert macht ist die Motivation wieder voll durchzustarten und einen 9. August gar nicht genug herbeisehnen zu können. Bis dahin jedoch ->faule Haut, ein bisschen Energie tanken muss noch sein!


Calcio, Cuore ė mangiare

Football, Drinks and Rock’n’Roll heißt es normalerweise so schön.

Doch was wäre das kühle Blonde zum runden Leder in der tobenden Kurve mit leerem Magen, ohne die standesgemäße Brat im Vorlauf ohne den Happy Döner, den Harp-Burger oder die Gefüllte  später Stunde in der Altstadt danach? Das Bocadillo de Jamon für die Halbzeitpause, durften wir mal reißend erlernen.

Als Fan des Stile de Vita,  Ultra, Mentalita und Italien sowieso, stimmt man förmlich Gesänge an, wenn man an einem x-beliebigen Wochentag, so gestern, das langweilige Ausscheiden des FC Bayern durch wirres Herumzappen auf den hinteren üKanälen ankommt und auf irgendwo bei 1278 bei DMAX einen Volltätowierten mit Hipsterbärtchen hektisch händewedelnd und untertitelt durch Napolis Altstadt ziehen und in ein heruntergekommendes Lokal einkehren sieht. Am Nebentisch, 3 Ultras typischen neapolitanischen Stils, erklärend, dass das mit Innereiensuppe gefüllte Brötchen hier als Snack für zwischendurch mit ins Stadion genommen wird, tritt der Protagonist zum Wettkampf im Nach kochen an. Am Ende wird die ganze Gruppe hinzu gerufen, ob dem traditionellen oder dem Fernsehkoch die Zuppa Forno am Besten gelungen ist. Ein kurzer Blick ins Netz, es folgen kulinarische Touren durch die Nebengassen von Catania, Rom, Florenz, Bologna…Für Italienfans wie uns unser TV-Tipp jeden Dienstag 22.15 auf DMAX: Chef Rubio, So isst Mann in Italien, im Original „Unti e Bisunti“.

http://www.dmax.de/programme/chef-rubio/videos/chef-rubio-neapel/

 

 

 

 


Auf die Ohren #25

Da habt ihr den Salat, weiter aufrecht, weise, stabil!

„Wer gab uns Hits wie „du Hurensohn“?“


Auf die Ohren #24

Endlich, endlich, endlich! Green Deutschland und schon jetzt das Album des Jahres!

 

„Müll sollte das einzige sein was man trennt“🙂


Was ist los in Hannover?

Gestern wurde nun die lange vorbereitete gemeinsame Erklärung von Hannover 96 und der hannoverschen Ultraszene, vertreten durch die Ultras Hannover, sowie unter Beteiligung der Interessengemeinschaft Rote Kurve, veröffentlicht. Ähnlich kontrovers wie die in den vergangenen Tagen begleitete Gerüchteküche, mindestens seit dem zahlreich besuchten Fanszenestammtisch am vergangenen Freitag, folgten die Reaktionen auf das Schreiben und die dazugehörigen Detailanrisse der UH und RK. Alle drei Schreiben findet ihr in unserem vorherigen Beitrag.

Weil die Reaktionen darauf erwartungsgemäß nicht nur positiv ausfielen, sondern insbesondere auch eine gehörige Portion Kritik mitschwimmt, wollen wir aus unserer Perspektive versuchen, der Kritik auf den Grund zu gehen und dabei auch zu Tage tretende Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Wie die Erklärung am Schluss beschreibt, hat sich in der vergangenen Zeit einiges verselbständigt. Das ist auch unser Eindruck. Es wurden nicht nur medial die ganz großen Schubladen geöffnet und sich in Positionen verharrt, aus denen sich so sicherlich nie wieder eine Lösung erzielen ließe. Ein Verharren auf einer relativ stumpf und ohne wirkliches Alternativkonzept rausposaunten Maximalforderung einerseits und die Vorstellung, sich einfach mal eben ein neues Wunschpublikum zu zaubern, ließen nicht viel konstruktive Diskussionen zu. Sicherlich sind wir, wenn ich jetzt aus der Sicht der Ultraszene spreche, nicht ganz unschuldig an dem Ausspruch, der als unmissverständliche Forderung ins Leben gerufen wurde und als solcher auch angenommen wurde, Kind muss weg. Die Motivation dahinter war aber sicherlich nie so einheitlich, hinter den drei Worten stecken einfach ganz unterschiedliche Motivationen, wie gerade die Kritik auf die gestrigen Erklärungen deutlich macht.

Für die einen bezweckt die Forderung, einen Umstoß der 96-Führung herbeizuführen, um die Planungen um die Auslösung des Vereins aus dem Profifußballbereich zu verhindern. Sie sehen in der Erklärung daher den schlichten Versuch des Clubs, die Gemüter um den scheinbar schon vollzogenen Verkauf der letzten Kommanditanteile zu beruhigen und die anstehende Jahreshauptversammlung samt einiger entsprechender sinnvoller aber auch einiger eher theoretischer Natur gestellter Gegenanträge in ruhigere Fahrwasser zu lenken.

Die nächsten fühlen sich in ihrer Sehnsucht nach romantischem Vereinsfußball verraten, da sie sich, zurecht natürlich, aufgrund vieler öffentlicher und teils auch sehr persönlicher Schoten des Alleinherrschers des Vereins in ihrer Fanseele nachhaltig enttäuscht fühlen und sich zunehmend von Bundesligaspektakel distanzieren. Jene Personen haben offenbar erwartet, dass man ihren Groll mit einer ehrlichen und wortwörtlichen Entschuldigung versucht zu beseitigen, wohlwissend, dass eine solche nie kommen wird. Die Konsequenz aus dieser eher pauschalistischen Erwartungshaltung heraus ist eine ziemlich einfache: Nichts geht mehr, auch weiterhin. Diese Personen wenden sich ab, geben ihre Passion auf, verknüpften sie sich zuletzt nur noch auf Gedei und Verderb mit dem Schicksal einer einzigen Person und dem Geschäft, was sie um ihre Leidenschaft herum betreibt und immer weiter ausbaut.

Es rauchten in den letzten Monate sicher viele Köpfe. Viel drehte sich um die Frage, was wollen wir eigentlich? Was wollen wir konkret? Was betrifft uns oder tangiert uns eigentlich im Wesentlichen in unserer Leidenschaft, einen Verein zu supporten. An welcher Stelle springt man eigentlich auf ein Showgeschäft an, welches einfach medial tagtäglich vieles, insbesondere aber viel Sinn- und Wertloses mitbringt. Fankurve, Fankultur sind in den vergangenen Jahren mit in den Sog des täglichen medialen Maulzerreissens geworden, vielleicht aufgrund ihrer Faszination, vielleicht aufgrund ihrer Vielfalt, Lautstärke, Farbenpracht, vielleicht aber auch aufgrund ihrer Anrüchigkeit des Undurchschaubaren, scheinbar Unkontrollierbarem, Existenziellen für das Stadionspektakel.

Ja, diese Erfahrung musste Hannover 96 in dieser Saison ausserhalb des Sportlichen leidvoll erfahren, ja natürlich hat es der Kurve in die Karten gespielt, ja auch die sportliche Misere hat sicher einen gewissen und schwunggebenden Tritt in den Allerwertesten gegeben. Wichtig ist aber, dass eine Erkenntnis Einzug gehalten hat und das wurde in den Gesprächen, Verhandlungen, Treffen und Überlegungen ausserhalb in den letzten Wochen/Monaten deutlich. Auch durch die zugegebenermaßen jahrelang erlernte Lethargie des großen Fußballpublikums begünstigt, musste man sich letztlich die Frage stellen, was man ganz konkret will. Welche Voraussetzungen müssen herrschen, um seine immer eigentlich mehr oder weniger auf Selbsterhalt und Eigenentwicklung basierende Leidenschaft so fortzuführen, wie sie existierte, bevor hier einiges ins Stocken geriet? Frei von Trends, Entwicklungen um den Fußball, die einen nur oberflächlich, vielleicht oft sogar nur theoretisch betreffen. Wie wichtig war einem das Vereinsleben vor 5 Jahren, als aktuelle Entwicklungen bereits schon beschlossene Sache waren und man dennoch nichtmal Vereinsmitglied war, um über das Instrument einer Jahreshauptversammlung gegen die Entwicklung aufzubegehren. Wie wichtig sind einem persönlich Interviews an 1.000 Gießkannen, wenn man die Zeitung zuschlägt und die Internetverbindung kappt? Was will er eigentlich von mir? Die Erkenntnis: Nichts. Er braucht mich, dich als Kulisse. Ja, das ist so, das war vor 15 Jahren schon so. Bedeutet das mir heute mehr als damals? Nicht wirklich. Auch vor 15 Jahren stand der fiktive Verein im absoluten Vordergrund. Die Stadt, die Farben, die Kurve, teilweise auch die Mannschaft und einzelne Identifikationsfiguren. Der e.V.? Für eine handvoll von uns. Die Ehrerweisung der Vereinsführung, Wertschätzung? Der lauwarme Händedruck der Zusammengehörigkeit? Drauf geschissen. Es interessiert das Geschäft nicht, es interessiert doch mich nicht. Alles was ich will, ist mein Fußballteam zu supporten, mich mit meinen Jungs dort zu treffen, gemeinsam Leidenschaft zu leben. Nur auf dieser Basis kann und konnte auch bereits vorher die Kurve erblühen, darauf konnte Fankultur selbst wachsen, mal mehr, mal weniger, aber unabhängig! Und diese Freiheit verleiht einer Kurve die Möglichkeit zu wachsen, zusammenzuwachsen und fortzubestehen. Es verleiht ihr letztlich das entscheidende Schwert ihrer Existenz, wenn man ihr die Basis beraubt, kann sie dort nicht bleiben, wenn sie nicht da ist, ist der Ofen aus.

Und so kommt man unweigerlich zu der Feststellung, dass es doch eigentlich um Grundsätzliches geht, wenn man sich doch wieder mit einem auf Veranstaltungsbetrieb ausgerichteten Unternehmen aus dem Fußballbusiness an einen Tisch bewegt. Grundsätzliche Voraussetzungen, die herrschen müssen, um der Kurve Luft zum Selbstatmen zu geben, Voraussetzungen, deren Nutzen und Lasten für die Zukunft ein für alle Mal bewiesen sind. Selbstverständliches, wie es so schön geschrieben wurde. Dort wo verbrannte Erde mit sterilem Beton übergossen wurde, muss der Beton erstmal weggerissen werden, damit in der Erde wieder keimen kann. Dafür braucht es eben erstmal kleine Kompromisse, die es ermöglichen, dass man wieder eine freie Kurve mit freier Platzwahl und der Möglichkeit der ungestörten Entfaltung vorfindet. Das einfachte vom Einfachsten, Selbstverständlichkeiten. Auf der Basis lässt sich Erde erst neu bepflanzen, von denen, die es wollen. Daher hilft es nicht, auf den Betonresten zu verharren und weiter einen romantisierten Zeit hinterherzutrauern, einer Zeit die auch schon immer geprägt war, von Konflikten, Missverständnissen und Forderungen, die notfalls mit den Füßen durchgesetzt wurden, weil der Weg durch offizielle und theoretische Institutionen schon immer verbaut war.

Was ich eigentlich sagen will.

Kurzum haben wir jungen Leute, das schreibe ich jetzt mal so einfach mit Anfang 30, Bock auf Fußball, Bock darauf ihn uns so einzurichten, wie wir es kennen und er uns bewegt. Wir brauchen nicht viel dafür, das meiste schaffen wir uns selbst. Identifikation, Leidenschaft, Zusammengehörigkeitsgefühl, Durchdrehmomente, Gesänge, 90 Minuten Vollpower. Wir haben keine Lust, uns auf ewig und 3 Tage mit Frust auf eine Vereinsführung zu fixieren, von der wir keine Wertschätzung erhalten, die wir zum Überleben nicht brauchen, solange man uns nicht unserer Rechte beraubt oder pauschal verklagt. Wir haben auch keine Lust unseren Lebensmittelpunkt aufzugeben und uns in selbstgefälliger Haltung an der Auflösungserscheinung des dann lethargischen Fußballspektakels zu ergötzen. Wir haben immer Bock auf 96, nicht auf die derzeitige Mannschaft, nicht die Führung der Spielbetriebsgesellschaft und dem dahinter stehenden Veranstaltungskonzern, auch nicht wirklich auf mühseliges und kompliziertes, wahrscheinlich unverhältnismäßig nervenraubendes deutsches Vereinsrecht, was gerade um bereits 5 nach 12 zu spät in den Fokus einiger eiliger Interessenten gerät.

Möglicherweise hat auch in unseren Kreisen eine Erkenntnis eingesetzt. Neben der Sache, die uns schon eh immer klar war und für die landesweit Ultraszenen immer ganz gern belächelt werden, nämlich dass der Fußballzirkus uns und unseren Tifo und unsere Mentalität sehr wohl für sein Spektakel braucht, müssen wir zwangsläufig auch für gewisse Grundvoraussetzungen Kompromisse mit dem Fußballgeschäft schließen und uns dort im Rahmen unserer auf unseren Wegen gar nicht mal so geringen Einflussmöglichkeiten auf uns betreffende Nischen konzentrieren. Die Bestrebung nach einer vollkommen autonomen Kurve funktioniert im Bundesligaspektakel nicht, so viel ist sicher. Deshalb sind wir zumindest von seiten dieses Blogs und unserer hinter den verhandelnden Personen der UH stehenden Gruppe recht frohen aber erfahrungsmäß durchaus auch skeptischen Mutes, dass gestern ein Weg eingeschlagen wurde, auf dem wir einerseits und der Verein andererseits aufbauen kann. Ob das in weiteren gemeinsamen Projekten, wie beispielsweise Fragen rund um die kapitalrechtliche Trennung von Verein zum Profifußball mündet, wird man daher abwarten müssen.

 


Ratzfatz Katze aus dem Sack

 

Hallo liebe Leser, die virtuelle Technik des Jahres 2015 hält manchen Meldungen noch immer nicht stand. Wochenlanges Gezerre und Köpferauchen haben aber, soviel können wir Euch verraten, ein Ergebnis geliefert. Dave und seine Crew (hier WDJ-Hannover, für die die den Zusammenhang noch nicht so hatten) stehen vollständig hinter dieser gemeinsamen Erklärung, die soeben erwartungsvoll auf der Website von Hannover 96 erschienen ist. Wir wollen die Tage auch noch ein bisschen was dazu schreiben, aber zunächst soll die Erklärung mal für sich stehen bleiben:

Gemeinsamer Schritt

Hannover 96 und die Fans gehen aufeinander zu. In einer gemeinsam abgestimmten Erklärung des Klubs und der aktiven Fanszene nehmen beide dazu Stellung. Den kompletten Wortlaut gibt es hier.

 Entfremdung beiden Seiten bewußt

Im vergangenen Jahr hat das Verhältnis zwischen Hannover 96 und einem Teil der aktiven Fanszene in Hannover gelitten. Verschiedene Äußerungen und Vorkommnisse haben Verein und Teile der Fans entfremdet. Diese Entwicklung ist dem Klub und sicherlich auch der aktiven Fanszene bewusst. Die aktuelle Situation ist eine Belastung für beide Seiten, in erster Linie jedoch für die Profimannschaft von Hannover 96 und für alle Zuschauer.

Beiden Seiten ist bewusst, dass sie Fehler begangen haben. Der übermäßige Einsatz von Pyrotechnik beim Hinspiel gegen Eintracht Braunschweig hatte zur Folge, dass Hannover 96 für das Rückspiel den Empfehlungen des Innenministeriums und der Polizei folgen musste. In diesem Zusammenhang hat man einen Rechtsstreit mit seinen Auswärts-Dauerkarteninhabern ausgefochten, der das Verhältnis zwischen Klub und der aktiven Fanszene zerrüttet hat. Im Nachhinein kann man konstatieren, dass diese gerichtliche Auseinandersetzung die Beziehungen zwischen den Fans und Hannover 96 massiv belastet hat. Hannover 96 hätte die durch das Gericht getroffene Entscheidung anerkennen und den Auswärtsdauerkarteninhabern ihre Eintrittskarten aushändigen sollen.

Direkte Kommunikation als Vertrauensbasis
In vertrauensvollen Gesprächen haben Vertreter von Hannover 96 und Vertreter der aktiven Fanszene die Geschehnisse aufgearbeitet und wagen nun einen Neubeginn. Vereinsführung und Fanszene sehen direkte Kommunikation als unerlässlich für eine gemeinsame Vertrauensbasis an. Dazu gehört auch, dass fanpolitische Themen nicht über die Medien kommuniziert werden. Dieser offene Dialog soll selbstverständlich regelmäßig fortgeführt werden, um zukünftig die Fanszene in Hannover transparenter über die Entscheidungen des Klubs zu informieren und nach Möglichkeit sogar zu involvieren. Zu guter Letzt möchten wir mit Vorurteilen aufräumen, die sich stets in der Vergangenheit verselbstständigt haben und gemeinsam appellieren, die Fanszene stets differenziert und als unverzichtbaren Teil von Hannover 96 zu betrachten.

 

Dazu haben die Ultras Hannover noch ein paar Details auf ihrer ebenfalls zusammengebrochenen Website veröffentlicht:

Unser Protest gegen die Vereinsführung hat Wirkung gezeigt.

Hannover 96 hat heute eine Erklärung veröffentlicht und sich öffentlich für die Verfehlungen der Vergangenheit entschuldigt und zudem anerkannt, dass die Fanszene ein unverzichtbarer Teil von Hannover 96 ist.
Diese Erklärung ist im Vorfeld mit uns abgesprochen gewesen und es ist richtig, dass wir anerkennen, dass auch wir nicht immer fehlerfrei gehandelt haben.

Die öffentliche Entschuldigung stellt allerdings nur eine Grundbedingung dar, es gibt darüber hinaus weitere Vereinbarungen zwischen Hannover 96 und uns. Diese gelten ab sofort und lauten u.a. wie folgt:

– der Zustand, der vor Beginn des Protests bestand, wird wieder hergestellt (der Block N16/ 17 ist ein Fanblock, es herrscht dort freie Platzwahl)
– der Ordnungsdienst nutzt die Kompetenz der Fanbeauftragten im Konfliktfall und veranlasst nicht automatisch einen Polizeieinsatz
– Spruchbänder und Infoflyer werden nicht zensiert
– Stadion- und Hausverbote, die Hannover 96 gegen Mitglieder der Fanszene ausgesprochen hat, sind bereits ausgesetzt.

 Die Interessengemeinschaft Rote Kurve hat dann noch eine Mitteilung nach gelegt:

Liebe 96-Fans,

in den letzten Monaten gab es intensive Gespräche zwischen Vertretern der aktiven Fanszene und Hannover 96, welche in kleinem Rahmen stattfanden. Die nun von Hannover 96 veröffentlichte Erklärung werten wir als einen Beleg für die positive Entwicklung dieser Gespräche und eine Entschuldigung für einige der Fehler der vergangenen Jahre.

 

Desweiteren ging es in den Gesprächen um Maßnahmen, die eine Rückkehr der aktiven Fanszene ins Niedersachsenstadion befördern könnten. In diesem Rahmen wurde eine schriftliche Vereinbarung getroffen, die weitere „Zugeständnisse“ an die aktive Fanszene macht. Kern dieser Vereinbarung ist eine Rückkehr zum Supportersblock im Zentrum des Nord-Oberrangs in gewohnter Form als Stehplatzbereich und mit freier Platzwahl. Weitere Punkte betreffen u.a. die Verbesserung der Versorgung mit Eintrittskarten für Exil-Fanclubs und die Wiederbelebung des Zwingers. Auch Spruchbänder und Flyer mit kritischen Inhalten sind in Zukunft nicht genehmigungspflichtig.

 

 

Uns ist bewusst, dass in den Augen vieler dies keine weitreichenden Zugeständnisse sind, sondern lediglich die Formulierung von Selbstverständlichkeiten im Verhältnis zwischen Hannover 96 und seiner Anhängerschaft. Diese Haltung teilen wir vollumfänglich. Wir können eure Skepsis verstehen und können und wollen auch niemandem vorschreiben nun so zu tun als wäre nie etwas geschehen. Es ist lediglich ein Anfang gemacht. Weitere Schritte müssen folgen. Aus diesem Grund haben wir darauf gedrungen, dass es auch in Zukunft in regelmäßigen Abständen zu Treffen zwischen Vertretern von Hannover 96 und der aktiven Fanszene kommt, die verbindliche Vereinbarungen treffen können um so das nun entstandene Grundgerüst weiter erfolgreich entwickeln zu können. Auf diese Weise sollen Anregungen aus der Fanszene an Hannover 96 herangetragen und nach Möglichkeit umgesetzt werden. Andersherum dient dies der Vorabinformation der Fanszene bei Entscheidungen mit fanpolitischer Tragweite und so einer möglichen Stellungnahme und Intervention durch die Fanszene.

 

 

Unter dem Eindruck der genannten Aspekte, der Entschuldigung von Hannover 96 und der erstmals schriftlich festgehaltenen Vereinbarung zu grundsätzlichen Fanrechten, rufen wir die aktive Fanszene zur Rückkehr ins Niedersachsenstadion zum kommenden Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim auf um dort optisch und akustisch die Mannschaft zu unterstützen und die Nordkurve wieder zu einer bunten, lauten und kreativen Kurve auferstehen zu lassen. Über die Möglichkeiten des Kartenkaufs für den Supportersblock informieren wir euch zeitnah über unsere Homepage.

 

Wir sind uns sicher, dass unsere Rückkehr nicht nur auf Gegenliebe stoßen wird. Lasst euch daher nicht von Provokateuren ablenken. Verzichtet auf Streitgespräche, Gesten oder gar körperliche Auseinandersetzungen und konzentriert euch stattdessen umso mehr auf Spiel und Support.

 

Abschließend soll nicht unerwähnt bleiben, dass wir die Amateure natürlich nicht hängen lassen. Wir werden nicht vergessen, dass sie uns in dieser schweren Zeit eine Zuflucht waren und Team und Fans dabei eng zusammengewachsen sind. Ihnen gilt also auch weiterhin unsere volle Unterstützung.

 

Um eure sicherlich zahlreichen Fragen zu beantworten und eure Meinung einzuholen, werden wir zudem in Kürze zu einem RK-Treffen einladen. Der genaue Termin folgt!

 

 

Eure IG Rote Kurve